Dipl.-Oec. Bettina Niklas

Der Mediationsprozess

Ein Mediationsverfahren ist in fünf Phasen gegliedert.

 

Vorgelagert ist die Vorphase, nachgelagert die Umsetzungsphase.

 

- Vorphase -

In der Vorphase erfolgt der einzelne Erstkontakt mit den Beteiligten. Dazu zählt die Kontaktaufnahme mit dem Mediator.

 

In dieser Phase erfolgen auch das Gespräch und die Rollenklärung mit einem eventuellen Auftraggeber, der selbst an der Mediation nicht teilnimmt. Dies ist insbesondere bei Mediationen in Unternehmen der Fall. Zeit und Kosten werden besprochen und der Mediationsvertrag geschlossen. Hierbei ist vom Mediator auch die Ergebnisoffenheit des Auftragsgebers zu klären.

 

Phase 1: Kontakt und Kontrakt

Der Mediator informiert die Medianten über den Prozessablauf, die Rolle des Mediators sowie
die Verhaltensregeln im Umgang miteinander und die Prinzipien. Im Weiteren fragt er die Medianten nach ihren Erwartungen, Prioritäten werden abgestimmt und der Status quo vereinbart. Die Medianten schildern kurz den bestehenden Konflikt. Falls noch nicht geschehen wird ein Mediationsvertrag geschlossen.

 

Phase 2: Themensammlung

In dieser Phase werden von den Parteien ihre Streitpunkte und Anliegen im Zusammenhang dargestellt, die Themen werden gesammelt und für die weitere Bearbeitung in einer Struktur gebracht. Wichtig sind die Priorisierung und die Einigung auf ein Startthema. Dies soll neutral, wertfrei, objektiv und ergebnissoffen erfolgen.

 

Phase 3: Interessenfindung

In dieser Phase beginnt die eigentliche Problembearbeitung auf der Grundlage des Harvard-Modells. Die Beteiligten erhalten Gelegenheit, ihre Sichtweise des zu jedem Themenpunkt genau darzustellen. Informationen und Wahrnehmungen werden ausgetauscht, bevor auf die verschiedenen und gemeinsamen Wünsche, Bedürfnisse und Interessen der Parteien eingegangen
und damit der Konflikt umfassend erhellt werden kann. Hierbei ist entscheidend von den Positionen zu den dahinter liegenden Interessen zu kommen. Dabei kommen - neben den Hintergründen, Zielen und Interessen - auch Emotionen und Identitätsaspekte an die Oberfläche.

 

Phase 4: Lösungsfindung

In dieser Phase werden zu den einzelnen Problemfeldern Lösungsoptionen zunächst bewertungsfrei gesammelt z. B durch Brainstorming, Mindmapping etc. Hier geht Quantität vor Qualität. Voraussetzung dafür ist, dass dies in einer kreativen Atmosphäre erfolgt. Erst nach Abschluss der Ideenfindung werden die Lösungsoptionen von den Konfliktparteien bewertet (mittels Schulnotensystem, Skalierung etc.) und verhandelt. Der Mediator überprüft gemeinsam mit den Beteiligten, ob und wie sich die jeweiligen Lösungsoptionen in der Realität umsetzen lassen.

 

Phase 5: Abschlussvereinbarung

Zum Abschluss des Verfahrens werden die Ergebnisse mittels Vereinbarung festgehalten. Inhalte
sind dabei die konkrete Regelung der weiteren Vorgehensweise, die Festlegung von Umsetzungsfristen sowie Verhaltensweisen im zukünftigen Konfliktfall.

 

- Umsetzungsphase -

In dieser Phase stellt sich heraus, ob die getroffenen Vereinbarungen „alltagstauglich“ sind. Eventuell sind weitere Gespräche und Korrekturen erforderlich.